Wie wirksam sind Anti-Aging-Produkte? Welches sind die neuesten Inhaltsstoffe,
welche die Haut länger jung erhalten sollen?

 

  Jeden Tag altert man ein bisschen mehr. Dieser Prozess zeigt sich vor allem an der Haut. Erste Anzeichen kann es bereits ab dem 25. Lebensjahr geben. Altern zeugt von Veränderung und Entwicklung – also nicht unbedingt eine schlechte Nachricht.

 

Privileg des Alters

«Was als Hautalterung negativ besetzt ist, ist nur ein Reifungsprozess», sagt Professorin Ulrike Heinrich, Leiterin des Instituts für experimentelle Dermatologie der Universität Witten-Herdecke. «Wir sprechen besser von reifer Haut. Übrigens ist sie unser grösstes Organ.»

 

Altern heisst nicht automatisch, auf Schönheit verzichten zu müssen. «In anderen Kulturen werden besonders die Alten wertgeschätzt», sagt Heinrich weiter. Auch wenn in der hiesigen Kultur Jugendlichkeit einen hohen Stellenwert besitzt, bleibt die reife Schönheit ein Privileg des Alters.

 

Was genau passiert mit dem grössten Organ, 

wenn man altert? 

«Man spricht von äusserer und innerer Hautalterung», erläutert Stefanie Rehn, Apothekerin. Die innere Alterung können wir nicht beeinflussen. Wie schnell sie vonstatten geht, ist in unseren Genen festgeschrieben. «Mit zunehmendem Alter verändert sich der Hydrolipidfilm, Stoffwechselprozesse verlangsamen sich, die Zellen erneuern sich weniger schnell», erklärt Rehn. «Das Unterhautfettgewebe wird verringert, und damit zeigen sich auch mehr Falten», ergänzt Dermatologin Heinrich.

 

Zudem arbeitet das körpereigene Abwehrsystem gegen freie Radikale verlangsamt, die Melaninbildung lässt nach. Melanin ist das Hautfärbe-Pigment. Je mehr Sonnenstrahlen die äussere Hülle abbekommt, desto mehr Pigmente entstehen und die Haut wird braun, wodurch UV-Strahlen sie weniger schädigen können. Die Pigmentierung dient demnach als körpereigener Sonnenschutz. Je besser die Melanin-Herstellung gelingt, desto mehr von dem Farbstoff befindet sich in der Haut und umso höher ist der Schutz.

 

Ebbe an Sexualhormonen

Mit zunehmendem Alter wird der Körper weniger mit Sexualhormonen versorgt. Diese sind an der Kollagenbildung beteiligt, die ebenfalls abnimmt. Je besser sie erhalten bleibt, umso straffer ist die Haut. Je älter sie wird, umso schlechter kann sie Wasser binden. Alle diese Prozesse führen dazu, dass die Körperhülle weniger ebenmässig, dehnbar und gleichmässig durchblutet sowie pigmentiert ist.

Die äussere Hautalterung bestimmen hingegen Umwelteinflüsse und die Lebensführung. UV-Strahlen sind der Jugendkiller Nummer eins. Hinzu kommen Tabakkonsum, zu viel Alkohol, unausgewogene Ernährung und Stress. «Es kann zu entzündlichen Prozessen und vorzeitigen Alterserscheinungen der Haut kommen, im schlimmsten Fall zu bösartigen Hautkrankheiten», weiss Rehn. Alle diese schlechten Einflüsse setzen nämlich vermehrt freie Radikale in der Haut frei. Sie beschleunigen deren Alterung.

Hier setzt Anti-Aging-Kosmetik an. «Die in den Cremes verwendeten Antioxidantien sollen nicht nur freie Radikale fangen, sondern zugleich den Kollagenstoffwechsel anregen», erklärt Apothekerin Rehn.

 

Pflegegeheimnisse reifer Haut

Für eine schöne reife Haut kann man also sehr wohl etwas tun. Wenn man die eigene genetische Ausstattung schon nicht beeinflussen kann, so doch die Lebensweise und die Intensität der Umwelteinflüsse, denen man sich aussetzt. Ulrike Heinrichs einfache Formel lautet: «Schutz und Pflege. Vorbeugen ist besser als heilen. Jeder kann ein Leben lang positiv für seine Haut arbeiten, indem er sie seinem Hauttyp entsprechend pflegt.» Dabei gilt, dass junge Haut eher eine leichte, feuchtigkeitsbetonte Pflege benötigt. «Cremes mit einem zusätzlichen Lichtschutzfaktor ab zehn reichen aus», sagt Rehn.

 

Je reifer die Haut, desto reichhaltiger sollte die Pflege sein. Am besten haben sich in der Anti-Aging-Kosmetik in Cremes oder Seren eingebrachte Stoffe bewährt, die vor UV-Licht schützen oder Radikale fangen. «Das sind die Vitamine A, C und E, Niacinamid, Alpha-Liponsäure, das Coenzym Q10 und Hyaluronsäure», erläutert Stefanie Rehn.

 

Seit einiger Zeit sind entsprechend dem Trend «zurück zur Natur» Stoffe pflanzlichen Ursprungs ins Blickfeld der Kosmetikindustrie gerückt. «Pflanzen mit vielen Polyphenolen wie Katechine aus Grüntee, Resveratrol aus Wein und Proanthocyanidine aus Kakao, aber auch Luteolin aus Salbei kommen grundsätzlich infrage», so Rehn. Diese Stoffe sollen ebenfalls als Radikalfänger wirken. Inwiefern sie das können, wenn sie in Cremes eingebracht sind, muss allerdings noch weiter erforscht werden. Denn man kann nicht jeden beliebigen Stoff nehmen, in eine Creme rühren und davon ausgehen, dass er in der Haut wirkt.

 

Grüner Tee dient der Schönheit

Es ist die Kunst des Galenikers, den Wirkstoff so einzubringen, dass er erhalten bleibt. Als Galenik bezeichnet man die Herstellung von Arzneimitteln und Kosmetika. Zu den Polyphenolen hat Wissenschaftlerin Heinrich mehrer Studien durchgeführt. «Diese Stoffe wirkten positiv, allerdings hauptsächlich innerlich angewendet», verdeutlicht sie. Besonders Grüntee- und Kakaopolyphenole er-wiesen sich als gute Radikalfänger. In einer ihrer Studien tranken 60 Teilnehmerinnen 12 Wochen lang
täglich ein Getränk mit Grüntee-Extrakt. Ergebnis: Das Bindegewebe der Probandinnen wurde straffer. Die Struktur und Feuchtigkeit der Haut sowie deren Barrierefunktion verbesserten sich. Heinrich betont aber: «Die Effekte treten nur bei dauerhafter und regelmässiger Anwendung ein. Eine Tasse grüner Tee reicht da nicht aus.» Als weiteres Mittel gegen Hautalterung werden Peptide gehandelt. «Sie
sollen vor allem die Kollagenbildung ankurbeln», erklärt Rehn.

 

Bei aller empfehlenswerten Pflege lohnt es sich aber, sich die Vorteile reifer Haut deutlich zu machen. Sie zeigt: Man hat gelebt – und jede Falte ehrlich erworben. Heinrich: «Weil man gelacht hat, Sorgen hatte, traurig war. Das ist ein gelebtes Leben.» Was könnte schöner sein als das?

 

 

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