Sie sind Ökos und Oldies, Trendsetter und Traditionalisten. Ursprüngliche Getreidesorten wie Einkorn, Emmer oder Khorasan haben viele Vorteile im Vergleich zu ihren modernen Verwandten. Die Initiative «Urgetreide» nennt gute Gründe, warum die kernigen Kostbarkeiten auf dem Feld und in der Küche jetzt wieder angesagt sind.

Es klingt paradox: Zehntausend Jahre altes Getreide ist eine echte Innovation. Eine Innovation auf dem Feld, in der Küche und in professionellen Backstuben. Erst seit wenigen Jahren werden die ursprünglichen Sorten, die schon die alten Griechen und die Pharaonen ernährten, wieder im deutschsprachigen Raum angebaut – und das aus gutem Grund: «Die Renaissance der Urgetreide passt zu den aktuellen Verbraucherbedürfnissen, die sich als Antwort auf unsere digitalisierte Welt entwickelt haben: Nachhaltigkeit, Naturbelassenheit, Authentizität, Genuss, Rückbesinnung auf Traditionen – all diese Sehnsüchte können in Gestalt von Urgetreide-Sorten erfüllt werden», sagt Manfred Laukamp, Vorsitzender des Vereins Initiative Urgetreide. Die sechs bekanntesten Urgetreide-Sorten sind Einkorn, Emmer, Urroggen, Khorasan, Urgerste und Dinkel. Sie überzeugen mit vielen Vorteilen gegenüber modernem Getreide.

TRADITION
Mehr Geschichte geht nicht: Schon dem römischen Herrscher Julius Cäsar (100–44 v. Chr.) sollen Gebäcke aus Emmer gemundet haben. Die heiliggesprochene Benediktiner Äbtissin Hildegard von Bingen (1098–1179) pries den Urdinkel als «Universal-Arzneimittel» an. 1991 fand sich Einkorn im Magen der 5000 Jahre alten Gletschermumie Ötzi. Die heutigen Fans von Urgetreide haben also grosse Vorbilder!

NATURBELASSENHEIT
Urgetreide verfügen über natürliche Schutzschilde und benötigen kaum chemische Unterstützung. Zum einen sind sie nicht auf schnelles Wachstum oder effiziente Bearbeitung ausgerichtet. Künstlicher Dünger wäre sogar kontraproduktiv, da beispielsweise Urroggen von selbst so hoch wächst, dass die Ähren weit vom Erdboden entfernt sind. Das bewahrt die Frucht vor Pilzsporen, die bei Regen aufgewirbelt werden. Auch Pflanzenschutzmittel sind kaum notwendig. Zum anderen schützen Spelzgetreide wie Einkorn, Emmer und Urdinkel ihre Körner mit einer natürlichen Hülle, dem sogenannten Spelz, vor Umwelteinflüssen und Verunreinigungen. Und zum Dritten steht Gentechnik bei den ursprünglichen Formen unserer heutigen Körner ohnehin nicht zur Debatte.

NÄHRSTOFFGEHALT
Urgetreide sind nicht nur kernig im Biss, sondern haben es auch in sich: Dank der Tatsache, dass sie über Jahrtausende in Vergessenheit geraten waren, sind sie keinen Züchtungen unterworfen und ihr Nährstoffprofil ist heute so reichhaltig wie damals. Die historischen Getreidesorten haben zahlreiche ernährungsphysiologische Vorteile gegenüber modernem Getreide: Einkorn, Emmer und Urroggen beispielsweise enthalten mehr Mineralien, Proteine und Spurenelemente als ihre Nachkommen.

NACHHALTIGKEIT
Urgetreide sind wahre Naturburschen. Sie sind anspruchslos, witterungsresistent und gedeihen auf kargen und nährstoffarmen Böden. So benötigen sie kaum künstliche Dünger oder Pflanzenschutzmittel. Auch der zum Teil mehrjährige Anbau schont die Böden und trägt zur ökologischen Artenvielfalt auf den Feldern bei.

GESCHMACK
Die Geschmacksrichtungen sind nussig, buttrig, würzig und aromatisch. Urgetreide geben den Gerichten und Gebäcken eine ganz spezielle charakteristische Note. So macht der authentische Geschmack Backwaren mit alten Körnern begehrenswert als Alternative zu herkömmlichen Weizengebäcken.

EXKLUSIVITÄT
Während Weizen und Roggen heute in aller Munde sind, bleiben Urgetreide eine kulinarische Besonderheit. Die Urgetreide Einkorn und Emmer sind die Vorfahren des modernen Brotweizens, der weltweit in über 90 Prozent der Brote und Backwaren verwendet wird. Das war vor Zehntausenden von Jahren noch anders, als die alten Körner ganze Völker ernährten. Mit dem zunehmenden Bevölkerungswachstum wurden neue Züchtungen notwendig, die effizienter anzubauen und ertragreicher waren. Heute ernten nur wenige Landwirte die alten Sorten, sodass jedes Korn eine exklusive Kostbarkeit ist.

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