Malediven sind nicht einfach Malediven. Jede einzelne Insel, jedes Atoll hat seine eigenen Vorzüge und deckt dementsprechend unterschiedlichste Bedürfnisse ab. Die Malediven neigen dazu, sich immer mehr dem Luxustourismus zuzuwenden. Wer vor 25 Jahren ohne Tauchgepäck anreiste, war ein komischer Kauz. Heute prägen Resorts, Villen mit Pool und Wasserbungalows das Bild des Inselparadieses.

von René Laemmel

Seit wenigen Jahren ist es aber auch möglich, die Ferien im Paradies abseits der Touristenströme zu verbringen. Wer sich für das authentische Leben der Malediver interessiert und eine offene Haltung gegenüber fremden Kulturen pflegt, der sollte einen Tauchurlaub auf einer lokalen Insel in Betracht ziehen.

MALÉ STATT MALLE
Es gibt mit Sicherheit Urlaubsziele, die mehr Kultur, Sehenswürdigkeiten und Abwechslung bieten. Doch wer auf die Malediven fliegt, tut dies meist genau deshalb, weil es ausser einer kleinen Insel mit viel Sand und noch mehr Wasser kaum etwas gibt, das die Erholung stören könnte.

SCHON DIE ANREISE WIRD ZUM ERLEBNIS
Bis zum internationalen Flughafen von Malé ist noch alles so, wie man es von einem Langstreckenflug kennt. Doch wo dann normalerweise der Shuttlebus für die Fahrt zum Hotel wartet, gibt es auf den Malediven zwei besondere Wege, die Hotelinseln zu erreichen. Liegt die Unterkunft weiter von der Hauptinsel Malé entfernt, ist meist das Wasserflugzeug das ideale Transportmittel. Die gut 40 Maschinen von Trans Maldivian Airways mit ihren maximal 15 Sitzplätzen erreichen so ziemlich jeden Flecken der Inselgruppe. Ohrstöpsel sind zu empfehlen, sogar ein Bordmagazin gibt es. Für dieses hat angesichts des paradiesischen Ausblicks aber kaum jemand Augen. Eine Insel nach der anderen zieht unten vorbei, aus der Luft sieht das aus wie ein Flickenteppich in den schillerndsten Türkistönen. Die Landebahn ist natürlich das Meer, die «Flughafenterminals» bilden jeweils ein paar zusammengebundene Holzpaletten. Der Pilot entlädt das Gepäck, und plötzlich steht man mit seinem Koffer mitten im Meer auf einer schwankenden Holzinsel. «Willkommen im Baa-Atoll» steht auf einem Holzschild. Seehöhe: 0 Meter. Bevölkerung: glücklich. – Bessere Voraussetzungen für einen Urlaub kann es ja eigentlich nicht geben.
Wer unter Rückenproblemen leidet, sollte wahrscheinlich die zweite Variante – das Speedboat – eher meiden. Das gilt zumindest, wenn es windig ist und Wellen den Indischen Ozean aufpeitschen. Der Besatzung macht das natürlich nichts aus, mit voller Geschwindigkeit heizt sie durch das Wasser. Immer wieder kracht das Boot gegen die Wellen. Für den Fall, dass jemand seekrank wird, liegen schon entsprechende Tabletten bereit.

SCHNORCHELN MIT DEN MANTAS
Die Malediven sind ein Paradies für Taucher und Schnorchler, das ist weithin bekannt. Ein ganz besonderes Erlebnis ermöglicht jedoch das Hotel «Four Seasons Landaa Giraavaru» im Baa-Atoll. «Manta on Call» heisst das Angebot. Sobald ein Team von Biologen Mantarochen entdeckt, werden die Hotelgäste auf einem speziellen Telefon alarmiert, das sie den ganzen Tag in einer Plastikhülle mit sich herumtragen. Mit dem Boot geht es dann hinaus zu der Stelle, wo die Biologen die Tiere gesichtet haben. Alle Augen richten sich aufs Wasser. Haben die Schnorchler Glück – oder sind die Rochen schon weitergezogen? Nach ein paar Minuten kommt der Bootsführer: Pech gehabt! Zweiter Versuch an einer anderen Stelle. Diesmal springt der Guide ins Wasser, kurze Zeit später gibt er ein Zeichen: «Ja, ich hab einen gesehen.» An Bord des Bootes wird es hektisch: Schnell ziehen alle ihren Schnorchel und die Flossen an. Kaum ist die Gruppe im Wasser, taucht der Manta auf. Rund zwei Meter unter den Schnorchlern schwebt er majestätisch durchs Wasser. Offenbar hat er keine Angst vor den vielen Schwimmflossen. Immer näher traut er sich heran. Weitere Mantas tauchen auf, am Ende sind es fünf oder sechs. 45 Minuten ist die Gruppe im Wasser, kaum jemand will zurück ins Boot. Nur die Sonne, die immer heftiger auf den Rücken brennt, drängt schliesslich zur Rückfahrt.

Malediven Reisen Tipps

URLAUB OHNE SCHUHE
Badeschlappen auf der Insel? Überflüssig! Schicke Ausgehschuhe fürs Abendessen? Unerwünscht! Auf einer Barfuss-Insel, wie es die meisten maledivischen Eilande sind, braucht man tatsächlich keine Schuhe. Im Gegenteil, sie stören nur. Denn die Inseln bestehen komplett aus puderzuckerweichem Sand, der weiss bis zartrosa leuchtet und täglich gesäubert und gerecht wird. Bessere Voraussetzungen fürs Barfusslaufen gibt es nicht. Der Sand liegt nicht nur am Strand und auf den Wegen, sondern dient auch als Boden in der Lobby, in Bars und Restaurants. Von früh bis spät mit nackten Füssen unterwegs zu sein und die Zehen bei jedem Schritt in den Sand zu graben, vermittelt ein Gefühl von Freiheit und Leichtigkeit – plus den ultimativen Urlaubskick. Diverse Hotels und Resorts haben sich den lässigen Barfuss-Lifestyle auf die Fahne geschrieben. Sie fordern die Urlauber auf, die Schuhe auszuziehen, sobald sie als Gäste die kleine Insel betreten, und sie erst wieder zur Abreise anzuziehen. «Europäer lieben es, draussen zu sein, deshalb haben wir alles so gestaltet, dass unsere Gäste überall die natürliche Schönheit der Insel erleben können – und das fängt mit dem Barfussgehen an», erklärt beispielsweise Milaidhoo-Manager Shuhan.

GUT FÜR LANGSCHLÄFER
Im Urlaub ist es vielen egal, wie spät es gerade ist. Allerdings erlebt man mit dieser Einstellung nur selten Sonnenaufgänge. Wie gut, dass einige maledivische Hoteliers ein Herz für Langschläfer haben und aufgrund einer Gesetzeslücke auf die verrückte Idee gekommen sind, die Zeit einfach umzustellen. So ticken die Uhren auf den Malediven anders – je nachdem auf welcher Insel man ist. Während die einen sich an der indischen Zeit orientieren, also plus vier Stunden zur mitteleuropäischen Zone, stellen andere Hotelinseln die Uhr einfach um eine oder zwei weitere Stunden zurück. Der Grund für diese Kuriosität: Auf den Malediven gibt es kein Gesetz, das eine einheitliche Uhrzeit vorschreibt.

SONNENUNTERGÄNGE
Es klingt zwar kitschig, aber ein Sonnenuntergang auf den Malediven ist einfach traumhaft. Da die Malediven ziemlich nah am Äquator liegen, versinkt die Sonne meist gegen 18 Uhr und zaubert dazu eine ganze Farbpalette an Rot- und Orangetönen an den Himmel. Dazu im Meer sitzen, leichtes Wellenrauschen – was braucht es mehr? Eine Hängematte mitten im Meer zum Beispiel! Kein Problem. Im «Anantara Dhigu» finden Urlauber auch das.

FAMILIEN
Natürlich dauert der Flug nach Malé deutlich länger als nach Malle, und viele Hotels sind deutlich teurer. Dennoch sind die Malediven auch für Kinder ein Erlebnis – wenngleich sie pittoreske Sonnenuntergänge oder Wellness-Behandlungen wohl weniger interessieren. Aber wo sonst können die Kleinen so einfach und toll schnorcheln? Nur ein paar Schritte ins Wasser und schon befindet man sich mitten in einem Fischschwarm. Um Clownfische zu sehen, muss man hier nicht ins Aquarium oder ins Kino in «Findet Nemo». Auf mehreren Inseln gibt es mittlerweile auch Kids Clubs, mitunter wohnen und essen Kinder kostenlos, einige Inseln haben auch einen Arzt.

Malediven Reisen Tipps

FACTS MALEDIVEN
• Lage: 450 Kilometer südlich von Indien (Indischer Ozean)
• Gliederung: 2000 Koralleninseln bilden 26 Atoll-Gruppen
• Religion: 90 Prozent Islam
• Einwohner: 350 000
• Fläche: 298 Quadratkilometer
• Hauptstadt: Malé (im North Malé-Atoll)
• Temperatur: das ganze Jahr zwischen 30°C und 31°C
• Wassertemperatur: das ganze Jahr zwischen 27°C und 30°C
• Durchschnittliche Sonnenstunden pro Tag: 8 bis 10 Stunden
• Sprache: Dhivehi, Englisch
• Cappuccino-Preis: durchschnittlich CHF 2.30

«WOW!»-HOTEL-TIPPS
• Reethi Beach Resort, www.reethibeach.com
• Reethi Faru Resort, www.reethifaru.com
• Amilla Fushi, www.amilla.mv
• Finolhu, www.finolhu.com
• Huvafen Fushi, www.huvafenfushi.com
• Four Seasons Landaa Giraavaru, www.fourseasons.com/maldiveslg
• Milaidhoo, www.milaidhoo.com

«WOW!»-FLUG-TIPPS
• Emirates fliegt mit dem Airbus A380 täglich via Dubai (ca. 20 Flüge pro Woche)
• Edelweiss-Direktflüge ab Zürich (z. T. 3 x pro Woche), Juni, Juli und August keine Flüge
• Flugzeit ab Zürich: ca. 9 Stunden (direkt)

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